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Die Schweiz ist eine parlamentarische Bundesrepublik, die auf der Verfassung vom 29. Mai 1874 beruht. Seither gab es mehrere Verfassungsänderungen. Bei den Bundeswahlen sind alle Bürger über 18 Jahren wahlberechtigt. Frauen erhielten 1971 das Stimm- und Wahlrecht auf Bundesebene durch ein Referendum (Volksabstimmung, Volksentscheid). Auf Kantonsebene wurde das Frauenwahlrecht erst 1990 endgültig verwirklicht. Die Wählerschaft wählt nicht nur ihre Abgeordneten, sondern kann auch über Bundesgesetze und Verfassungsänderungen abstimmen. Das Referendum ist ein wichtiger Bestandteil des schweizerischen Gesetzgebungsverfahrens. Verfassungsänderungen können auf dem Weg des Volksbegehrens von mindestens 100 000 stimmberechtigten Bürgern angeregt werden (Verfassungsinitiative). Die Verfassungsänderung muss im Anschluss daran durch einen Volksentscheid bestätigt werden. Bundesgesetze müssen ebenfalls einer Volksabstimmung unterbreitet werden.
Exekutive
Das oberste Exekutivorgan der Schweiz ist der Bundesrat (Conseil Fédéral, Consiglio Federale). Er wird alle vier Jahre von der Bundesversammlung (Zweikammerparlament) gewählt und besteht aus sieben Mitgliedern (Ministern). Der Bundesrat ist dem Parlament verantwortlich. Der Vorsitzende des Bundesrates, der Bundespräsident, wird von der Bundesversammlung für ein Jahr gewählt. Nach der Verfassung ist die Wiederwahl des Bundespräsidenten für aufeinander folgende Amtsperioden ausdrücklich untersagt.
Legislative
Gesetzgebendes Organ ist die Bundesversammlung (Assemblée Fédérale, Assemblea Federale), das schweizerische Parlament, das aus zwei Kammern, dem Ständerat (Conseil des Etats, Consiglio degli Stati) und Nationalrat (Conseil National, Consiglio Nazionale) besteht. Der Ständerat umfasst 46 Abgeordnete, die nach den jeweiligen Vorschriften der Kantone nach dem Mehrheitswahlrecht in der Regel für vier Jahre gewählt werden. Jeder Kanton hat zwei Mandate, jeder Halbkanton ein Mandat. Der Nationalrat wird aus 200 nach dem Verhältniswahlrecht gewählten Abgeordneten gebildet.
Judikative
Höchste juristische Instanz ist das Bundesgericht in Lausanne; es besteht aus 30 Richtern, die für eine Amtszeit von sechs Jahren von der Bundesversammlung ernannt werden. Es bildet die letzte Instanz bei Verfahren zwischen Bund und Kantonen, Körperschaften und Privatpersonen und bei interkantonalen Streitfällen. Einen eigenen Zuständigkeitsbereich hat das Bundesgericht nur in Fragen des Verfassungsverstoßes. Jeder Kanton hat ein eigenes, unabhängiges Rechtssystem mit Zivil-, Straf- und Berufungsgerichten. Die Todesstrafe wurde 1942 abgeschafft.
Kommunalverwaltung

Die Schweiz ist ein Bundesstaat, der aus 20 Vollkantonen und sechs Halbkantonen besteht. Die Untergliederung in Halbkantone geschah aus verwaltungstechnischen Gründen. Die Kantone und Halbkantone sind die folgenden: Aargau, Appenzell-Ausserrhoden (Halbkanton), Appenzell-Innerrhoden (Halbkanton), Basel-Landschaft (Halbkanton), Basel-Stadt (Halbkanton), Bern, Fribourg, Genf (Genève), Glarus, Graubünden (Grisons), Jura, Luzern (Lucerne), Neuchâtel, Nidwalden (Halbkanton), Obwalden (Halbkanton), Sankt Gallen, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn (Soleure), Thurgau, Tessin (Ticino), Uri, Wallis (Valais), Waadt (Vaud), Zug und Zürich.
Alle von der schweizerischen Verfassung nicht an den Bund übertragenen Vollmachten liegen bei den Kantonen, wie z. B. der Erlass der Schulgesetze, der Prozessordnungen und der Vorschriften der Gerichtsverfassung. Die staatliche Organisation der Kantone wird von diesen selbst bestimmt, muss jedoch demokratischen Prinzipien entsprechen. Jeder der 20 Kantone und der sechs Halbkantone hat ein vom Volk gewähltes Parlament (Kantonsrat) und als Exekutive einen Regierungsrat. In einigen Kantonen gibt es neben dem Rat noch eine Landsgemeinde, eine Versammlung stimmberechtigter Bürger, die zur Diskussion stehende Angelegenheiten in Abstimmungen durch Zuruf entscheiden. In den meisten Kantonen ist jedoch der Kantonsrat eine repräsentative Körperschaft, die vom Volk gewählt wurde. Frauen erhielten das Wahlrecht für Kommunal- und Kantonswahlen in den meisten Gebieten während der siebziger Jahre. In Appenzell-Innerrhoden waren Frauen bis 1990 nicht stimm- und wahlberechtigt. Die kleinsten Verwaltungseinheiten sind die über 3 000 Gemeinden der Schweiz. Sie können in vielen Verwaltungsangelegenheiten weitgehend autonom handeln. Mehrere Gemeinden werden zu einem Bezirk zusammengefasst, dem ein Landammann vorsitzt, der die Kantonsregierung vertritt.
Politik
Die stärksten politischen Parteien der Schweiz sind die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SPS), die aus der Arbeiterbewegung hervorging, die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP), die sich für eine bundesstaatliche Organisation der Schweiz einsetzt, und die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP), die gegen eine zu starke Zentralisierung der Staatsmacht ist. Weitere wichtige Parteien sind die Schweizerische Volkspartei (SVP), die Grüne Partei der Schweiz (GPS), die Freiheits-Partei (FPS), die Liberale Partei (LPS) und der Landesring der Unabhängigen (LdU).
Verteidigung
Die Schweiz unterhält eine Milizarmee mit allgemeiner Wehrpflicht für alle Männer zwischen dem 20. und 42. Lebensjahr. Mit 400 000 Mann zählt diese Armee zu den größten in Westeuropa. Der Wehrdienst dauert 17 Monate. Siehe auch Schweizer Armee
WIRTSCHAFT
Die Schweiz hat eine hoch entwickelte industrialisierte Wirtschaft und gehört zu den Ländern mit höchstem Lebensstandard. Trotz ihrer Binnenlage, des begrenzten Inlandsmarktes und der relativ geringen Ausstattung mit Rohstoffen zählt sie zu den wichtigsten Industrienationen Europas. Der Dienstleistungssektor ist ein überaus bedeutsamer Zweig der schweizerischen Wirtschaft; 60 Prozent der Erwerbstätigen sind in diesem Sektor beschäftigt. Diesem Wirtschaftszweig folgen die verarbeitende Industrie (25 Prozent), Energiewirtschaft, Bergbau und Bauwesen (10 Prozent) sowie Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei (3 Prozent). Die Schweiz ist ein bedeutendes Finanzzentrum und außerdem ein überaus beliebtes Reiseziel. Das Land betreibt umfangreichen Außenhandel; die Handelsbilanz ist leicht positiv (1995-1996).
Landwirtschaft
Rund 25 Prozent des Staatsgebietes werden agrarisch genutzt. Auch wenn die Schweiz ihren Eigenbedarf an Fleisch und Weizen trotz der relativ kleinen landwirtschaftlichen Nutzfläche decken kann, werden viele Nahrungsmittel eingeführt und die Landwirtschaft wie in anderen Industrieländern stark subventioniert. Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe sind kleine bäuerliche Familienbetriebe. Hauptanbauprodukte sind Zuckerrüben, Weizen, Kartoffeln, Äpfel und Weintrauben. In klimatisch begünstigten Gebieten, vor allem an südexponierten Hängen, wird Weinbau betrieben. Eine wichtige Rolle spielt die Milchwirtschaft; die Produktion von Milch und Käse ist traditionell ein wichtiger Wirtschaftszweig. Der Viehbestand setzt sich vor allem aus Rindern, Schweinen und Schafen zusammen.
Forstwirtschaft und Fischerei
Ein großer Teil der Waldgebiete des Landes wird forstwirtschaftlich genutzt. Die Holzindustrie wird jedoch von umweltbedingten Waldschäden, die über 35 Prozent der Wälder des Landes beeinträchtigen, erheblich belastet. Der Großteil des Holzes wird für Schnittholz oder für die Papierherstellung verwendet. Die Fischerei ist nur von lokaler Bedeutung und beschränkt sich auf Forellen, die in erster Linie im Genfer See, im Neuenburger See und im Bodensee sowie aus deren Zu- und Abflüssen gefangen werden.
Bergbau
In der Schweiz gibt es kaum abbauwürdige Bodenschätze. Neben Salz wird nur Kalk als Grundstoff für die Zementherstellung abgebaut. Der Bedarf an Rohstoffen wird fast vollständig durch Importe gedeckt.
Industrie
Etwa ein Viertel der Erwerbstätigen der Schweiz ist in der verarbeitenden Industrie beschäftigt. Kennzeichnend für das produzierende Gewerbe sind hohe Produktionskosten und starke Exportorientierung. Die wichtigsten Industriezweige sind der Maschinenbau, die pharmazeutische Industrie sowie die feinmechanische und optische Industrie. Die Uhrenherstellung ist der am stärksten exportorientierte Industriezweig, die Schweiz führt mehr als 28 Millionen Uhren pro Jahr aus. Weitere Industrieerzeugnisse sind Textilien, Bekleidung, Schuhe, chemische Produkte, Metallwaren, Nahrungs- und Genussmittel (darunter Schokolade und Tabak), Holzprodukte und Papier.
Währung und Bankwesen
Die Währungseinheit der Schweiz ist der Schweizer Franken, der 100 Rappen bzw. Centimes entspricht. Die halbstaatliche Schweizerische Nationalbank ist die Zentralnotenbank, an der die Kantone, andere Banken und die Öffentlichkeit Anteile besitzen. Die Banken der Schweiz werden von internationalen Anlegern und Finanziers aufgrund der politischen und monetären Stabilität sowie der traditionellen Wahrung des Bankgeheimnisses bei Bankgeschäften geschätzt. Das private Bankwesen stellt eine der Haupteinnahmequellen des Landes dar. Zürich ist das wichtigste Bankenzentrum.
Außenhandel
Importiert werden vor allem Maschinen, Fahrzeuge, chemische Erzeugnisse (u. a. Kunststoffe), Brennstoffe, Edelmetalle und Nahrungsmittel. Zu den Hauptexportgütern gehören Maschinen, pharmazeutische und chemische Produkte, Textilien und Uhren. Die Haupthandelspartner der Schweiz sind Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, die Vereinigten Staaten und Japan. Die leicht positive Handelsbilanz wird durch Einnahmen aus Kapitalvermögen und dem Fremdenverkehr ausgeglichen.
Verkehrswesen und Tourismus
Die Gesamtlänge des vollständig elektrifizierten Eisenbahnnetzes der Schweiz beträgt etwa 5 200 Kilometer. 57 Prozent davon sind in staatlicher Hand und werden von den Schweizerischen Bundesbahnen betrieben. Aufgrund der zentralen Lage spielt die Schweiz als Transitland für den Verkehr zwischen Mittel-, West- und Südeuropa eine bedeutende Rolle. Das Straßennetz umfasst 71 048 Kilometer (1997), davon sind rund 1 500 Kilometer Autobahnen. Für den Transport von Gütern ist die Rheinschiffahrt wichtig. Der nationale und internationale Luftverkehr wird von der nationalen Fluggesellschaft Swissair abgewickelt. Internationale Flughäfen sind Zürich-Kloten, Genf-Cointrin und auf französischem Staatsgebiet Basel-Mülhausen.
Bei einer Volksabstimmung wurde im Februar 1994 ein umstrittenes Volksbegehren, das zum Schutz der Alpentäler eine vollständige Verlagerung des Transitverkehrs von der Straße auf die Schiene vorsieht, angenommen und dessen In-Kraft-Treten für das Jahr 2004 beschlossen.
Der Fremdenverkehr ist eine der Hauptdevisenquellen und ein bedeutender Wirtschaftssektor der Schweiz. Sowohl für den Sommer- als auch für den Wintertourismus ist die entsprechende Infrastruktur gut ausgebaut. Zu den bevorzugten Reisezielen gehören die Alpen, die Seen im Schweizer Mittelland (vor allem Genfer See und Bodensee) und im Süden des Landes (Lago Maggiore und Luganer See) sowie die größeren Städte.
6.8.Energie Die Schweiz verfügt über ein großes Wasserkraftpotential. 56,24 Prozent der Elektrizität werden in Wasserkraftwerken erzeugt (1997). Strom wird auch in mehreren Kernkraftwerken produziert.
GESCHICHTE
In vorrömischer Zeit war das Gebiet der heutigen Schweiz im Westen von keltischen Helvetiern und im Osten von Rätern bewohnt. Im 1. Jahrhundert v. Chr. unterwarfen die Römer unter Gaius Julius Caesar die Region Helvetia und gliederten sie in das Römische Reich ein. Im 5. Jahrhundert n. Chr. ließen sich im Westen Burgunder und im Norden Alemannen nieder.
Frühes Mittelalter
Die Franken besiegten im 5. Jahrhundert n. Chr. die Alemannen und Anfang des 6. Jahrhunderts die Burgunder. Sie brachten eine neue, vorwiegend auf dem Christentum basierende Kultur mit. Die entstandenen Klöster entwickelten sich schnell zu bedeutenden Kulturzentren. Als sich das Frankenreich im 9. Jahrhundert auflöste, kam ein Großteil des Gebiets der heutigen Schweiz zum Heiligen Römischen Reich. Der Südwesten gehörte zum Königreich Burgund. 1033 fiel Burgund an den deutschen König Konrad II. und wurde in das Heilige Römische Reich eingegliedert. Das Reich bestand aus vielen kleinen Herrschaftsgebieten, die von Herzögen, Grafen, Bischöfen und Äbten regiert wurden, sowie aus einigen Stadtstaaten, die das Privileg der Unabhängigkeit vom Kaiser verliehen bekamen und aus denen später die Stadtkantone hervorgingen.
Unabhängigkeitskämpfe
Nach dem Niedergang der Staufer teilten sich ab Mitte des 13. Jahrhunderts vor allem die Grafen von Savoyen und die Habsburger die Vorherrschaft über das Gebiet. 1276 versuchte Kaiser Rudolf I. von Habsburg die Feudalherrschaft in der Schweiz zu festigen und ein geschlossenes Territorium mit straff organisierter Verwaltung zu schaffen. Um diesen Plänen Widerstand zu leisten, schlossen sich 1291 die drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden am Vierwaldstätter See zu einem ?Ewigen Bund" zusammen. Im ?Rütli-Schwur" versicherten sie sich gegenseitige Hilfe im Kampf gegen die Politik der Habsburger und für die Sicherung der örtlichen Selbstverwaltung. Nach dem Sieg über ein österreichisches Ritterheer am Morgarten im Jahr 1315 wurde die Eidgenossenschaft um Zürich, Glarus, Bern, Luzern und Zug zum Bund der ?Acht alten Orte" erweitert. Der Sieg gegen die Habsburger in der Schlacht von Sempach sicherte 1386 die Unabhängigkeit des Bundes. In den Burgunderkriegen (1474-1477) besiegten die Eidgenossen die Truppen Karls des Kühnen von Burgund. 1481 traten Freiburg und Solothurn der Eidgenossenschaft bei.
1499 löste die geplante Verwaltungsreform durch Kaiser Maximilian I. den Schwabenkrieg aus, der mit der endgültigen Loslösung der Schweiz vom Reich unter Beibehaltung ihrer alten Privilegien endete. Der Frieden von Basel wurde am 22. September 1499 unterzeichnet. 1501 schlossen sich Basel und Schaffhausen, 1513 auch Appenzell, der Eidgenossenschaft als unabhängige Kantone an (?Dreizehn alte Orte"). Bis 1798 blieb die Zusammensetzung des Bundes unverändert. Anfang des 16. Jahrhunderts nahmen schweizerische Truppen in den Kriegen zwischen Italien und Frankreich die italienischen Gebiete ein, aus denen später der Kanton Tessin hervorging. Danach griffen sie als Gegner Frankreichs selbständig in den Kampf um italienische Gebiete ein und erlitten 1515 bei Marignano eine Niederlage. Dieser militärische Rückschlag führte zu einem Umdenken und leitete die Neutralitätspolitik der Schweiz ein.
Die Reformation
Die Reformation setzte in der Schweiz 1518 in Zürich ein, als Ulrich Zwingli begann, den Ablasshandel der römisch-katholischen Kirche anzuprangern. Sie widersetzte sich dem katholischen Dogma, und ihre Anhänger verbrannten Reliquien, wandten sich gegen die Heiligenverehrung und entbanden die Priester vom Zölibat. Die intensive Unterstützung der Bewegung durch Handelsleute verstärkte die Unabhängigkeit der Stadt von der katholischen Kirche und vom Heiligen Römischen Reich. Weitere Städte, darunter Basel und das territorial bedeutende Bern, schlossen sich der Reformation an. Nachdem Luzern, Schwyz, Unterwalden, Uri und Zug den katholischen Widerstand organisiert hatten, kam es 1531 in der Schlacht von Kappel am Albis zum konfessionellen Krieg, bei dem sich die katholischen Kräfte durchsetzten. Mit der Niederlage kam zwar die Ausbreitung der Reformation in der deutschsprachigen Schweiz zum Stillstand, sie bedeutete allerdings nicht das Ende der Bewegung. 1536 lehnte sich die Stadt Genf, Wirkungsstätte des französischen Theologen Johannes Calvin, gegen das Herzogtum Savoyen auf und weigerte sich, die Autorität des katholischen Bischofs anzuerkennen. Calvin organisierte seine Kirche nach demokratischen Prinzipien und nahm auch die Idee eines Repräsentationssystems darin auf. Von 1541 bis 1564 war Genf eine Hochburg der calvinistischen Ausrichtung des Protestantismus. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) bewahrten die Kantone Neutralität. Im Westfälischen Frieden von 1648 erreichte die Schweiz die Entlassung aus dem Reichsverband und wurde völkerrechtlich als souveräner Staat anerkannt.
Die Einigung
In der sehr heterogen zusammengesetzten Eidgenossenschaft äußerte sich das Fehlen einer zentralen Staatsgewalt in anhaltenden konfessionellen und sozialen Spannungen. 1653 führte die Unzufriedenheit des Großbauerntums mit dem von den Städten ausgehenden Verwaltungszentralismus zum ?Schweizer Bauernkrieg". In den beiden Villmerger Kriegen (1656 und 1712) kam es zu konfessionellen Auseinandersetzungen, die die gesamte Eidgenossenschaft betrafen. Um 1790 kam die Schweiz unter den Einfluss der Französischen Revolution. Die Franzosen unterstützten schweizerische Revolutionäre, die politische Reformen vorantreiben und eine zentrale Staatsregierung einrichten wollten. Die Schweiz war zum Ziel französischer Expansionspolitik geworden, und 1798 besetzten französische Truppen das gesamte schweizerische Staatsgebiet. Die Eidgenossenschaft war bis zu diesem Zeitpunkt ein lockerer Staatenbund. Napoleon Bonaparte vereinigte das Reich unter dem Namen Helvetische Republik und zwang ihm eine Verfassung auf, die den bisherigen Föderalstaat zugunsten eines Einheitsstaates aufhob und beim überwiegenden Teil der Schweizer auf erheblichen Widerstand stieß. Nach Aufständen gegen die helvetische Regierung, die zum Bürgerkrieg eskalierten, vermittelte Napoleon, der seine Besatzungstruppen zurückgezogen hatte, 1803 eine neue Verfassung (Mediationsakte), die von den Schweizern angenommen wurde. Dem Bündnis der ?Dreizehn alten Orte" traten Graubünden, Sankt Gallen, Aargau, Thurgau, Tessin und Waadt bei. Der Wiener Kongress (1815) erkannte die Schweiz als souveränen Staat mit immerwährender Neutralität an und garantierte die Zusammensetzung des schweizerischen Territoriums aus 22 selbständigen Kantonen. Zu den 19 Kantonen von 1803 kamen die unter der Herrschaft Napoleons französisch gewordenen Kantone Genf, Neuenburg und Wallis.
In den folgenden Jahren entwickelte sich eine starke liberale Bewegung, die vor allem durch die französische Julirevolution von 1830 starken Auftrieb erhielt und in einzelnen Kantonen bei der Durchsetzung wirtschaftlicher und sozialer Reformen überaus erfolgreich war. Die Eidgenossenschaft war nunmehr gekennzeichnet durch die innenpolitische Polarisierung zwischen den konservativen, katholisch-klerikalen Kantonen und den liberalen, die in der Mehrheit waren. Als Reaktion auf die fortschrittlichen Ansätze schlossen sich die konservativen Kantone 1845 zum Sonderbund zusammen, der von der Bundesregierung als Verstoß gegen die Verfassung betrachtet wurde. Als der Bund die Auflösung verweigerte, kam es zu einem Bürgerkrieg. Nach der Niederlage des Sonderbundes löste sich dieser auf. 1848 trat eine neue Verfassung in Kraft, in der die Schweiz zum Bundesstaat mit der Hauptstadt Bern erklärt wurde. Die erweiterte Verfassung von 1874 stärkte den Zusammenhalt des Bundes und weitete demokratische Einrichtungen wie Volksentscheide auf Kantonsebene aus. Während bis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts das wirtschaftliche Geschehen vom freien Handel gekennzeichnet war, wurden in den neunziger Jahren protektionistische Maßnahmen wie die Einfuhr von Schutzzöllen getroffen, um die regionalen Unterschiede zwischen dem durch Entvölkerung wirtschaftlich geschwächten Alpen- und Juraraum sowie dem durch hohes ökonomisches Potential geprägten Mittelland zu mildern.
Der neutrale Staat
Auch wenn das Land während des 1. Weltkrieges von Krieg führenden Staaten umgeben war, gelang es der Schweiz, ihre Neutralität zu sichern. Aufgrund der auch die Schweiz betreffenden wirtschaftlichen Probleme wurde eine Kriegssteuer erhoben, was bei der Bevölkerung zu Unzufriedenheit und zum Auftreten sozialer Spannungen führte. Die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) verlor bei den Nationalratswahlen 1919 ihre absolute Mehrheit und schloss sich daraufhin mit der Katholisch-Konservativen Partei und bäuerlichen Gruppierungen gegen die Sozialdemokraten zusammen, die jedoch bei den Nationalratswahlen 1935 stärkste Partei wurden. Die Schweiz war schon im 19. Jahrhundert ein häufig gewählter Ort für internationale Konferenzen und entwickelte sich zum Sitz mehrerer Organisationen. So errichtete z. B. 1863 das Internationale Rote Kreuz hier ebenso seinen Hauptsitz wie der nach dem Ende des 1. Weltkrieges gegründete Völkerbund. Die Schweiz trat dieser Friedensorganisation 1920 bei. Auch während des 2. Weltkrieges wahrte die Schweiz ihre Neutralität, organisierte umfassende Hilfsleistungen für Notleidende aller Nationen und nahm zahlreiche politische Flüchtlinge auf. Nach Kriegsende lehnte das Land den Beitritt zu den Vereinten Nationen (UN) ab, da es die aus der Mitgliedschaft erwachsenden Verpflichtungen mit seiner Neutralität für unvereinbar hielt. Die Schweiz wurde jedoch Mitglied mehrerer Sonderorganisationen der UN, wie z. B. der UNESCO. Das Land nahm 1953 an der neutralen Überwachungskommission des Waffenstillstandsabkommens in Korea teil, stellte der UN-Friedenstruppe in Zypern Geldmittel zur Verfügung und unterzeichnete 1958 das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT).
Innenpolitische Entwicklung
1959 bildete sich im Bundesrat eine Koalition aus Freisinnig-Demokratischer Partei, Katholisch-Konservativer Partei (seit 1970 Christlichdemokratische Partei), Sozialdemokratischer Partei und Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (seit 1971 Schweizerische Volkspartei). Bei den Wahlen im Februar 1971 wurde Frauen erstmals das Stimmrecht sowie das Recht zur Kandidatur für Bundesämter gewährt. 1979 waren über 10 Prozent der Sitze im Nationalrat von Frauen besetzt. Landesweit besteht das Frauenstimmrecht erst seit 1990, als es auch im Halbkanton Appenzell-Innerrhoden eingeführt wurde. Bei einem Referendum stimmte die Mehrheit 1981 für einen Verfassungszusatz, durch den die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau gesetzlich verankert wird. Weitere Volksabstimmungen während der achtziger Jahre führten zur Beibehaltung der Wehrpflicht (1984), zur Ablehnung der Fristenlösung bei Schwangerschaftsabbruch und zu Einschränkungen bei der Geburtenkontrolle (1985), zur Ablehnung eines Beitritts der Schweiz zur UN (1986), zur Verschärfung der Bedingungen bei der Immigration und der Gewährung von politischem Asyl (1987) sowie zur Ablehnung einer Initiative zur Abschaffung der schweizerischen Armee (1989).
Auf internationalen Druck lockerte die Schweiz die traditionelle Wahrung des Bankgeheimnisses und gestattete ausländischen Ermittlern Nachforschungen sowie den Zugang zu Bankdaten bei Verdacht auf illegalen Erwerb oder illegale Verwendung von Geldern. Nach der Katastrophe im russischen Kernkraftwerk von Tschernobyl im April 1986 wurde die Sicherheit der fünf schweizerischen Kernkraftwerke sowie das gesamte Nuklearprogramm des Landes in Frage gestellt. Daraufhin beendete die Regierung 1989 den Bau eines sechsten Kernkraftwerkes. Im folgenden Jahr wurde durch eine Volksabstimmung der Bau neuer Kernkraftwerke für die kommenden zehn Jahre untersagt.
1992 trat die Schweiz der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds bei. Im Dezember desselben Jahres lehnte jedoch die Mehrheit der Wähler einen Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum ab. Dieses Wahlergebnis wurde als Ausdruck der allgemeinen Ablehnung eines Beitritts zur Europäischen Union betrachtet. Im November 1993 wurde nach mehrmaliger Verzögerung eine nationale Mehrwertsteuer eingeführt. Anfang 1994 bestätigten die Schweizer eine Verkehrsvorlage, die eine Verlagerung des Gütertransitverkehrs bis zum Jahr 2004 von der Straße auf die Schiene vorsieht. Bei den Wahlen zum Nationalrat im Oktober 1995 wurde die Sozialdemokratische Partei stärkste Partei vor der bisher führenden Freisinnig-Demokratischen Partei und der Christlichdemokratischen Partei. Im März 1996 bewirkte eine Volksabstimmung die Anerkennung der rätoromanischen Sprache als vierte Amtssprache.
Im Oktober 1998 beschloss die Regierung, die fünf Atomkraftwerke des Landes stillzulegen. Der Zeitplan für die Durchführung der Maßnahme soll gemeinsam mit den Betreibern der Kraftwerke, Umweltverbänden, Kantonen und Kommunen ausgearbeitet werden.
Im November 1998 wurde das größte Investitionsvorhaben in der Geschichte der Schweiz verabschiedet. Während der nächsten beiden Jahrzehnte sollen etwa 30,5 Milliarden Franken in Ausbau und Modernisierung der Bahn investiert werden. Die Pläne sehen den Bau von zwei neuen Eisenbahntunnels durch die Alpen sowie Anschlüsse an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz vor.